Samstag, 22. März 2014

Die Land-Familie

Vom Leben im PaarQuadratmeterVan in das Leben der Großfamilie. Krasser kann der Wechsel kaum sein... Vorbei die „Ruhe“, das beengte Wohnen, das mit einer Bewegung alles erreichen was uns gehört – nun mitten im Gewusel.
Damit ihr ein wenig Überblick über die Familie bekommt...

Elke hat vor 20 Jahren Val in Auckland kennen gelernt. Val ist von Auckland nach Whirinaki zu ihrem liebsten Andrew Land gezogen. Andrew lebte in der großen Selbstversorgerfamiliengemeinschaft. Andrew ist das 8. von neun Kindern von Peter und Judith. Vor 20 Jahren lebten noch viele andere der 9 Kinder im Tal der Jackson Road. So habe ich auch Shantina und Simon kennen gelernt (Simon ist der 5. In der Geschwisterreihe). Joseph (der 3.) und Cathrin  hatten einen Sohn (Gilbert) der in den Fluss gefallen war und wiederbelebt werden konnte. Er war damals 6, konnte nicht laufen und sprechen. Und viele andere Kinder lebten „damals“ im Tal...
Heute haben Peter und Judith  bald 100 Enkel... Wenn mir dann heute Abraham, langer Bart, vom draußen arbeiten ganz braun und dreckig, mit seinen 2 Kindern begegnet, war das der kleine Junge, der mit der viel zu großen Säge gemeinsam mit Elijah versuchte einen Baum zu zersägen. Elijah hat vor ein paar Wochen sein erstes Kind bekommen...
Val und Andrew sind wegen Unstimmigkeiten in der Familie auf die andere Seite der Insel gezogen, Simon und Shantina wohnen schon lange einen Hügel weiter.
Und wie wir gestern beim Tee mit Shantina sitzen kommt irgendein Verwandter und bringt Gilbert mit. Wir hatten eh vor die Familie zu besuchen und lassen uns gerne im Auto mit runter in die Jackson Road nehmen. (Die 5 km Piste möchte ich nur so oft wie unbedingt nötig fahren. Es bleibt die abenteuerlichste die wir auf unserer Reise kennen gelernt haben. Allerdings habe ich beim Mitfahren eine Idee bekommen, dass manchmal schneller fahren vielleicht „besser“ geht als im 1. Gang ganz vorsichtig um oder durch  jedes Loch zu fahren. Wobei mir das Schneller von gestern viel zu schnell war. Aber die Autos die hier fahren sind eh schon kaputt, da macht ein Aufsetzen hier und eine neue Schramme an der Seite da auch nix mehr aus...) Hoch wollten wir dann laufen, es gibt einen Track, bisschen steil aber easy.
Unten angekommen große Freude, die Freunde von vor 20 Jahren wieder da. „Hope you stay for lunch“. Das Essen wird aus dem Garten geholt und auf dem Feuer gekocht, Opa Peter philosophiert über seine Übersetzung des Tao Te Ching (die anderen haben ihm nicht gefallen), Gilbert zeigt stolz immer wieder das Fotobuch von seinem 20. Geburtstag. Joseph kommt vom Feld, das Essen steht auf dem Tisch. Jeder bedient sich und findet einen Platz. Pania und Kiri kommen zu Besuch, wie schön, die wollten wir auch besuchen, wir verabreden uns. Gilbert zeigt uns noch seinen Garten, wir besuchen seinen toten Hund. Dann machen wir uns auf den Rückweg, der Path sei irgendwo beim Wasserfallhaus. Wir finden einen Weg, sind uns lange nicht sicher, ob es der richtige ist, aber Gilberts neuer Hund läuft sicher vor uns her. Der „easy“ Path stellt sich als ziemlich steil heraus und trotz häufiger Überlegungen ob wir wohl richtig sind, kommen wir an. Der Hund treu an unsrer Seite, schläft vor unserem Auto. (Er wird am nächsten Morgen mit einem ausgestopften Wildschweinkopf unter großem Gebell und Geheule verscheucht.)

Bei Shantina und Simon wird das Dinner vorbereitet. Im Haus sind fast immer 10-15 Menschen unterwegs, die Familie selber, die großen Kinder die nicht weit weg wohnen, Enkelkinder, Couch-Surfer, Besuch... 15 Messer und Gabeln auf dem Tisch sind normal. Wir übernehmen abends den Abwasch des halben Tages, es wird ruhiger im Haus, nach 5x Wasser wechseln, eineinhalb Stunden später ist die Küche grob aufgeräumt. Simon kommt erschöpft von oben vom „Familientreffen zur Rettung des Milchbetriebes“ seines Schwiegersohnes. Ein langer Tag geht zu ende, fast alle schlafen, Simon und Elke diskutieren noch bei einem Tee über Schnecken im Garten und was bei Weiterem darüber nachdenken folgt ...
Um kurz nach 5, es ist noch stockdunkel schleicht der 4WD an unserem Auto vorbei. Bekommt Hannah ihr Baby schon früher? Geht Simon schon arbeiten? Nein, später hören wir, dass Shantina und Hamish zum Melken der 130 Kühe gefahren sind. Heute und morgen werden sie noch angeleitet, übermorgen machen sie es alleine.
Hier „zu Besuch“ zu sein heißt ab dem ersten Moment absolut willkommen zu sein und für sich selbst verantwortlich durch den Tag zu leben. Essen gibt es genug, wer Hunger hat, macht sich was, abends wird zusammen gegessen. Wenn man was wissen will muss man nachfragen. Es gibt immer was zu tun, helfen darf man jederzeit aber man darf auch den ganzen Tag auf der Bank sitzen und das Treiben bestaunen.
Heute hat Bruce Geburtstag, der Mann von Tochter Nikki. Sie wohnen ein Grundstück weiter unten. Hier oben finden alle Vorbereitung statt. Wir kommen aus dem Staunen kaum wieder raus. Nikki mit Baby Ava, Hannah(hoch schwanger) mit Valerie, Elsbeth und Crystal, 2 junge Brüder von Bruce und die Kinder des Hauses, Flynn, Francis, Hamish und Scott backen und bereiten was zu Essen vor. Es läuft laute irische Musik, Shantina sitzt über einem Papier und versucht sich alles wichtige zum Melken einzuprägen, Simon kommt mit Brille aus dem Büro und bittet um einen Tee, Baby Ava braucht einen „Babysitter“, Hamish präsentiert die Erfindung einer neuen „Zwille“, auf dem Balkon erledigt jemand Schulaufgaben der Corresponance-School, Flynn möchte einen „waterfight“ mit allen... WOW
Es kommen mehr Menschen, andere sind wieder weg, Shantina beim Melken, die großen Töchter übernehmen... „Flynn, could be please do a bit of the dishes? Just the amount that you think you can do. That would be great.“ Mit ein wenig Meckern beginnt er. T-Shirt aus, Hocker ans Spülbecken – auf geht´s.
Anke ist in den Van gegangen, sie suchte nach Ruhe. Ich habe selbstgemachten Pflaumenwein zum Probieren bekommen „it´s pretty strong“. Ja, das stimmt. Inzwischen ist es ruhiger in der Küche, die großen Jungs sind draußen, die jungen Frauen machen zwischen Baby stillen, den Ofen feuern, sich mit den anderen Kindern beschäftigen, das Essen fertig. Es ist 15Uhr, wir sind um 10 in die Küche gekommen...
Crystal kommt immer wieder und fragt: „Are you still working?“ „I want to be a doctor when I am grown up. They listen to the heartbeat of the babys and I will be there when my mother will have the baby. I was there when my sisters were born too. (Crystal ist 6 oder 7 Jahre alt!)
So, der waterfight beginnt. Flynn hat mir prophezeit: „You will be nailed!“
--- Eigentlich sollte der Post hier zu Ende sein... Allerdings ist der Nachmittag noch unbedingt berichtenswert.
Während ich bei der Wasserschlacht im Pool erfahren durfte was „nailed“ bedeutet, haben Scott und Hamish den alten riesigen Kupfermilchtank als „Badewanne“ umfunktioniert. Gestern noch sagte Shantina: „One day it will be a spa!“ Mit Blei geflickt, an die richtige Stelle getragen, ein Loch für´s Feuer gegraben. Als dann das Feuer entzündet wurde, dachten wir zunächst unser Van steht in Flammen. Die Jungs waren ganz cool und fanden die Idee ihn umzuparken dann doch auch ganz gut. Und seht auf den Fotos was daraus wurde... Die Geburtstagsgesellschaft im Wasser. Von Hannah, die in den nächsten Tagen ein Baby bekommt, die 3 ½ Monate alte Ava, einige Kleinkinder, jugendliche Jungs und Mädchen, junge Männer und Frauen und Anke. J Simon und Shantina kamen erst im Dunkeln wieder, haben das Feuer noch einmal entfacht und haben ein Nachtbad genommen.

Soweit ein kurzer Ausschnitt vom Leben der Land Familie aus Jackson und Mountain Rd. Morgen fahren wir wieder vom Berg und bleiben ein paar Tage bei Pania und Kiri in Opononi direkt am Meer. Dann fahren wir zu Val und Andrew nach Whangarei, wo wir auch Karma wieder treffen werden.
Unser Auto ist übrigens wahrscheinlich schon so gut wie verkauft. Keine 24 nachdem wir es ins Netz gestellt haben rief jemand aus Auckland an, der sich sehr sicher ist, dass er genau dieses Auto haben möchte. Er möchte der Erste sein der es ansehen und kaufen darf, wenn wir nach Auckland zurück kommen. Wow, das war ja „einfach“.

Wir schicken Euch ganz viel von der Liebe, die wir hier bekommen.
Elke und Anke

 Gilbert, stolz mit einem Fotobuch
 Peter talking about his life
gilberts Hund, der uns "nach Hause" geführt hat
 Shantina und Simon, beide Mitte 40, haben diese 9 Kinder und weitere 9 Enkelkinder ... einige davon haben wir kennen gelernt
 ein Teil des Abwaschs
 Mit diesem Wildschweinkopf wurde unser "armer treuer" Hund vertrieben
 anke mit Ava
 neugierige Blicke auf die Kücheninsel


 Die große Badewanne mit strahlenden Menschen darin.
















Der Moment, als alle Anwesenden außer Elke ("You are in duty of the cold water hose!") Manchmal schien das Wasser fast zu kochen, also auf jeden Fall am Boden, und nur kaltes Wasser konnte helfen.
 "Hey you knife, you are not doing a good job with my meat!"
Unser Stehplatz, nachdem wir gestern "umgezogen" sind. Der Blick auf Simons und Shantinas house.

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