Donnerstag, 1. Mai 2014

"Es sollte nur eine Reise sein, ...

...aber inzwischen ist es eine Expedition zu den Fundamenten meiner Existenz.“ 
Meike Winnemuth, unsere momentan absolute Lieblingsautorin und Reise-Lebensweisheitlerin seit der letzten Woche.

Marian, es war doch deine Idee, ne, dass mir das Gebrüder-Körting-Kollegium das Buch „Das große Los - Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr“ zum „Abschied“ schenkt, oder? Eine super Idee! Aus welchem Grund auch immer, wir haben das Buch die ganze Reise mit uns herumgetragen und -gefahren. Ganz am Ende der Reise wollte Elke es doch noch lesen, vor allem, um das schwere Ding loszuwerden. Von wegen - es muss unbedingt wieder mit nach Hause. Es hat uns voll erwischt! Also Meikes „Expeditionserlebnisse“. Vom Titel zunächst nicht unbedingt angesprochen wurde uns auf den ersten Seiten im Vorwort klar: die Frau schreibt nicht einfach einen Reisebericht... Oh nein ...  Es kam ganz anders.

„Wie wäre es ein Jahr genau das Leben zu führen, das ich mir selbst ausgesucht habe?“ fragt sie sich. „In 20 Jahren wirst du dich mehr über die Dinge ärgern die du nicht getan hast, als die, die du getan hast.“ zitiert sie Mark Twain.
Meike Winnemuths Buch besteht aus zwölf Briefen aus zwölf Städten an zwölf verschiedene Menschen aus ihrem Leben. Und zwar, wie wir finden, in einer wunderbar unterhaltsamen, humorvollen, offenen, persönlichen, rotzenfrechen Art, die uns sehr berührt hat und uns an vielen Stellen aus dem Herzen spricht. Hinzu kommt, dass Anke immer wieder gesagt hat: „Das gibt´s doch nicht, sie ist eine Zwillingsschwester von Dir.“ Ihre Art, ihre Entdeckungslust, Neugierde und „unerschrockene Frechheit“ – das hätte auch Elke sein können.
Frau Winnemuth entschuldigt sich einige Male für das herumphilosophieren, dabei könnte sie nach unserer Meinung auch eine „spirituelle Lehrerin“ sein. Sie schreibt nichts grundsätzlich Neues; sie beschäftigt sich genau mit den Fragen, vor die auch wir in diesen Monaten immer wieder gestellt wurden. So „lebensweise“, dass ihre "Antworten" unmittelbar verständlich sind bzw. gleich weiter ins nächste Nachdenken und -fühlen werfen.
Vielleicht schwärmen wir gerade etwas über. Aber dass Anke heute den Polizisten mehrfach angemacht hat, dass der Cookinselführerschein, den wir bei ihm für 20$ erwerben sollten, jawohl REALLY STUPID sei (Elke hatte schon Schiss, dass wir gleich wegen einer Ordnungswidrigkeit angezeigt werden und rausfliegen), daran z.B. ist Meike schuld!!! Und was passierte: Der Polizist fragte in Ruhe nach: „Why is it stupid?“ Anke erklärt in aller Ruhe, dass Elke in Deutschland stundenlange Führerscheintheorie und -praxis für 1000e von Euros gemacht hat und seit Jahren Motorrad fährt.  Was soll da ein Theorie- und Praxistest für ein paar Minuten und 20$??? „Can I see your drivers licence? Oh, it´s a german one, ahhh, you drive the Motorbike. That´s ok.“ Fertig, Ende der Diskussion!
Dieses ist nur ein Beispiel unserer durch Meike inspirierten, neuerworbenen Unerschrockenheit, also hier im speziellen Ankes.

Eine weitere Erkenntnis, die Meike wie folgt in Worte fasst:
„Ich habe vor einigen Jahren verstanden, dass man etwas für seine Erinnerungen tun muss. Dass man sie sich verschaffen muss. Und ich habe mir seitdem geschworen, jedes Jahr etwas zu tun, was selbst mir mit meinem schlechten Gedächtnis unvergesslich ist. Es hilft manchmal, das Leben von hinten zu denken: Worauf möchte ich mal zurückblicken können, was möchte ich getan haben? Und es dann zu tun, so schnell es geht.“
Das ist uns ja schon mal gut gelungen :-)

 
Diese unsere Reise ist in 3 Tagen zu Ende.
Wir kommen zurück nach Hause. (Ähh, Zuhause? Ein Begriff den wir in Zukunft sicher immer mal wieder neu überdenken/füllen werden...)
Nach so langer Zeit zurück zu kommen bedeutet wahrscheinlich in Etappen aufzutauchen, Anpassungsschwierigkeiten zu haben (Anke lacht, Elke habe doch immer Anpassungsschwierigkeiten...), wieder weg zu wollen, lethargisch und rastlos zu sein, schlechte Laune zu haben, übersprudelnd vor Glück und neuen Ideen zu sein ...
Wir möchten unser möglicherweise auftretendes Verhalten hiermit schon einmal „ankündigen“ aber wir haben bei Meike Winnemuth eine hervorragende Erklärung bzw. Entschuldigung dafür gefunden:
„In der Ethnologie gibt es den Begriff Liminalität: Den Schwellenzustand zwischen zwei Entwicklungsstadien, die Phase zwischen „nicht mehr“ und „noch nicht“. Ziemlich genau dort befinde ich mich gerade, nicht mehr weg, noch nicht hier. Begleiterscheinung der Liminalphase ist oft, dass man schon Verhaltensweisen des Zielzustands imitiert im Versuch, sich schneller zu integrieren.“

Also, seid darauf gefasst: In 4 Tagen tauchen wir in die Liminalphase ein ...


Wir haben diesen Blog mit Meike begonnen, und enden mit ihr: 

„Hat mich die Reise also verändert. 
Ich glaube nicht. Sie hat nur das aus mir heraus geholt, was immer schon da war.
Nicht ich habe die Reise gemacht, die Reise hat mich gemacht.“


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